Vitamin D und Kinderwunsch 2018-10-15T18:19:06+00:00

 

Vitamin D zum schwanger werden

Fast 80% der Bevölkerung leiden an einem Vitamin-D-Mangel. Foto mit freundlicher Genehmigung von victor habbik bei FreeDigitalPhotos.net.

Vitamin D und Kinderwunsch

Zunächst eine Begriffsklärung: Der vollständige Name lautet 1,25 (OH)2 Vitamin D3 (Wiki).

Abgekürzt wird es oft als „Vitamin D3“ oder einfach „Vitamin D“ (im folgenden auch hier). Noch kürzer ist „D3“. Manche Wissenschaftler sprechen sogar nur von „D“. Es gibt noch eine weitere wichtige Formel in diesem Zusammenhang: 25(OH) Vitamin D. In dieser Form wird das Vitamin im Blut transportiert und in Organen gespeichert. Wenn wir davon sprechen, wie hoch die Vitamin-D-Reserve in unserem Körper ist, dann sprechen wir von: 25(OH) Vitamin D.

Ohne Sonnenlicht auf unserer Haut gäbe es kein Vitamin D im Körper. Menschenaffen haben einen Vitamin-D-Level von 80ng/ml 25(OH) in ihrem Blut. Menschen, die viel Zeit unter freiem Himmel verbringen, kommen auf etwa 70ng/ml.

Nun gibt es unter den Wissenschaftlern zwar immer noch Streit darüber, was als ein „normaler“ Vitamin-D-Level gelten soll. Aber 20ng/ml (der typische Wert heutiger junger Frauen in westlichen Ländern) gilt inzwischen auf jeden Fall als zu niedrig. Heute spricht man darum bereits von einem epidemischen Ausmaß an Vitamin-D-Mangel in unserer Gesellschaft (lesen Sie auch hier: Einfach mal das Gesicht in die Sonne halten).

Wie kann Vitamin D beim Schwanger werden helfen? Es gibt einen direkten Zusammenhang zwischen Vitamin-D-Mangel und verschiedenen Fertilitätsstörungen bei Männern und Frauen. Dazu zählen Endometriose, PCOS und schlechte Samen-Qualität.

Aber was wäre die richtige Menge Vitamin D für Frauen, die schwanger werden wollen? Dazu müssen wir zwei wichtige Fakten bedenken:

  • 50 ng/ml ist der Level an 25(OH)D, bei dem die Aufnahme von Calcium aus dem Dünndarm am effektivsten ist.
  • Studien zeigen, dass für die Knochengesundheit und zur Vorbeugung von verschiedenen Arten von Krebs bei Frauen der optimale 25(OH) D-Level bei 40 ng/ml liegt

Deshalb sollte jede Frau auch zur Steigerung ihrer Chancen, schwanger zu werden, meiner Ansicht nach einen Vitamin-D-Wert von nicht weniger als 40-50 ng/ml 25(OH) D anstreben.

 

Sehr lesenswert:

Vitamin D deficiency and infertility: insights from in vitro fertilization cycles.

Vitamin D and female fertility.

Whether vitamin D was associated with clinical outcome after IVF/ICSI: a systematic review and meta-analysis.

Free vitamin D does not vary through the follicular phase of the menstrual cycle.

 

Vitamin D Baby

Den positiven Zusammenhang eines ausreichend hohen Vitamin-D-Levels und Resultaten von künstlichen Befruchtungen zeigte erst kürzlich wieder eine Studie der Yale Universität.

Die Eizellen von Frauen mit einem hohen Vitamin-D-Level wiesen sowohl eine höhere Implantationsrate als auch eine höhere Anzahl erzielter Schwangerschaften auf. Die Studie zeigte sogar, dass der Vitamin-D-Level einer Frau eine höhere Aussagekraft hatte als die Anzahl eingepflanzter Embryonen. Möglicherweise hat Vitamin D auf das Endometrium der Gebärmutter einen Effekt, das dann die Implantation der Embryonen unterstützt. Nach Auffassung der Autoren der Studie sollte die Kontrolle der Vitamin-D-Versorgung einer Patientin daher zu einem Standard-Vorgang einer jeden Kinderwunsch-Behandlung werden.

Bei den allermeisten Frauen ist es also in den letzten Jahren angekommen: Vitamin D ist ganz wichtig, vor allem, wenn sie versuchen, schwanger zu werden. Aber wie viel davon? Welche Präparate sind empfehlenswert und wo finden Sie diese? Also, hier ist schon mal ein ein  gutes Vitamin-D-Präparat oder auch da.

 

Wie kommen Sie am schnellsten auf 40 ng/ml 25(OH)Vitamin D?

zwei-dreimal in der Woche Sonne tanken

Täglich noch etwa 2.000-4.000 IE Vitamin D nehmen

 

Wie kann ich Vitamin D messen?

Vitamin D Mangel und Fruchtbarkeit. Mit Vitamin D Fruchtbarkeit steigern.

Vitamin D tanken – angenehmer als eine aufwendige Fertilitätsbehandlung. Foto mit freundlicher Genehmigung von sura nualpradid bei FreeDigitalPhotos.net.

Es ist übrigens völlig unproblematisch, den eigenen Vitamin-D-Wert feststellen zu lassen.

Wie bereits erwähnt wird der Blutwert Ihres Vitamin D in Form von 25(OH) Vitamin D gemessen. Dieser Wert gibt dann Aufschluss über Ihre Vitamin-D-Reserve.

 

Wie bleibt mein Vitamin-D-Level hoch genug? Und was passiert, wenn ich zu viel nehme?

Im Grunde ist eine Überdosis Vitamin D kaum möglich. Unsere Körper sind ja eigentlich dafür gemacht, ohnehin mit einem viel höheren Vitamin-D-Level zu leben als wir heutzutage normalerweise haben. Sollten Sie jemals etwas anderes lesen, dann wurde das wahrscheinlich aus Gründen geschrieben, die mit wissenschaftlichen Fakten nichts zu tun haben. Getestet wurde dies bereits an sehr vielen Menschen, darunter Babies, Erwachsene und selbst Menschen mit schweren Gesundheitsproblemen.

Wie hoch auch immer die Dosis war (manche Erwachsene bekamen einige Millionen IE an einem Tag) – wirklich schwerwiegende oder gar tödliche Folgen sind nie aufgetreten.

Vitamin D in Lebensmitteln

Einer künstlichen Zufuhr des Vitamins würde ich immer natürliche Quellen vorziehen, also Fisch, Rinderleber, Pilze und natürlich viel Sonnenschein.

Übrigens reicht schon eine Stunde Sonnenlicht am Mittag für die Produktion von nahezu 10.000 IE an körpereigenem Vitamin D aus. Das gilt aber nur für eine Frau, die z.B. in Europa nicht nördlicher als in Süddeutschland lebt und dabei ihre Haut nicht bedecken muss.

Frauen mit einer dunkleren Hautfarbe oder Angehörige von Kulturen, die eine fast vollständige Bedeckung der Haut verlangen, müssen zur Vermeidung eines Vitamin-D-Mangels entsprechend länger im Sonnenlicht verbringen.

Warum man Dosierungsempfehlungen gegenüber skeptisch sein sollte

vitamin D zum schwanger werdenNehmen wir also Vitamin D als Beispiel. In den meisten Industrieländern wird bis heute eine tägliche Dosis von 400 IE empfohlen. Erst seitdem zahllose Forschungsergebnisse aus jüngster Zeit von einem globalen Vitamin-D-Mangel sprechen, bewegt sich dieser Wert nun langsam nach oben.

Aber warum lag die empfohlene Vitamin-D- Menge überhaupt so niedrig?

Ursprünglich galt Vitamin D als ein Mittel gegen die (vor allem im frühindustriellen Großbritannien) unter Kindern häufig vorkommende Rachitis.

Man hatte erkannt, dass der tägliche Konsum von einem Löffel Fischöl (in Form von Lebertran) dieser Knochenerkrankung vorbeugen konnte. Erst viel später gelang der Nachweis im Labor, dass es das Vitamin D im Fischöl war, das den Kindern half. Vitamin D mobilisierte das Calcium und trug so zur Stärkung des Knochenbaus bei.

Was blieb, war der besagte „Löffel Lebertran“ als Empfehlung für die tägliche Dosis Vitamin D.

Doch was gut gewesen war für Kinder im späten 19. Jahrhundert, muss nicht zwangsläufig ausreichend sein für die Gesundheit eines Erwachsenen im frühen 21. Jahrhundert. Und das betrifft nicht nur die Empfehlung für Vitamin D, sondern auch manche anderen Richtwerte. Warum sollte unsere Gesundheit darunter leiden?

Um nicht missverstanden zu werden: Es geht nicht darum, eine generelle Überdosierung zu empfehlen. Ich empfehle nur eine gesunde Skepsis diesbezüglich.

Weitere Referenzen:

Holick MF. Evidence-based D-bate on health benefits of vitamin D revisited. Dermatoendocrinol. 2012 Apr 1;4(2):183-90.

Lerchbaum E, Obermayer-Pietsch B. Vitamin D and fertility: a systematic review. Eur J Endocrinol. 2012 May;166(5):765-7.

Ozkan S, Jindal S, Greenseid K, Shu J, Zeitlian G, Hickmon C, Pal L. Replete vitamin D stores predict reproductive success following in vitro fertilization. Fertil Steril. 2010 Sep;94(4):1314-9.

Reinhold Vieth. Why the optimal requirement for Vitamin D3 is probably much higher than what is officially recommended for adults. Journal of Steroid Biochemistry & Molecular Biology 89–90 (2004) 575–579.

Rudick B, Ingles S, Chung K, Stanczyk F, Paulson R, Bendikson K. Characterizing the influence of vitamin D levels on IVF outcomes. Hum Reprod. 2012 Nov;27(11):3321-7.

Souberbielle JC, Body JJ, Lappe JM, Plebani M, Shoenfeld Y, Wang TJ, Bischoff-Ferrari HA, Cavalier E, Ebeling PR, Fardellone P, Gandini S, Gruson D, Guérin AP, Heickendorff L, Hollis BW, Ish-Shalom S, Jean G, von Landenberg P, Largura A, Olsson T, Pierrot-Deseilligny C, Pilz S, Tincani A, Valcour A, Zittermann A. Vitamin D and musculoskeletal health, cardiovascular disease, autoimmunity and cancer: Recommendations for clinical practice. Autoimmun Rev. 2010 Sep;9(11):709-15.