Seelische Aspekte 2017-10-17T05:53:32+00:00

Unfruchtbarkeit und Depression

Unfruchbarkeit schmerzt. Foto mit freundlicher Genehmigung von samuicraker bei FreeDigitalPhotos.net

Eine Kinderwunschbehandlung ist oft eine lange und belastende Zeit. Gefühle wie Verwirrung, Ärger und Traurigkeit sind ein ständiger Begleiter, wenn wir wieder in der Fertilitätsklinik sitzen und auf unseren Termin warten. Wer hätte gedacht, dass es dazu kommen würde? Man möchte doch nur eine Familie haben … und dann diesen Ort vergessen und nie wieder herkommen.

Aber bis dahin müssen wir eng mit dem Arzt zusammenarbeiten und uns auf seine Entscheidungen verlassen, immer in der Hoffnung, er wäre perfekt in seinem Job und bringt uns bald zum Happy End – dem Beginn eines neuen Lebens in uns.

Leider dürfen wir von unserem Arzt aber auch nicht uneingeschränkt viel erwarten. Kein Mediziner kann heutzutage ein Experte in all den komplizierten Fragen sein, die das Feld der Reproduktionsmedizin mittlerweile aufwirft. Für die Frauen heißt das: Sie müssen die eigenen Fertilitätsstörungen so viel wie möglich selbst verstehen und sich selbst helfen können.

 

IVF, ICSI & Co: mit dem Arzt reden

nicht schwanger werden könnenWir gehen davon aus, dass unsere Ärzte immer auf dem neuesten Stand des Wissens sind und dass sie alles mitbekommen, was in diesem rasch wachsenden Feld der Medizin passiert – jede neue Studie kennen, jedes neue interessante Präparat und jeden wissenschaftlichen Durchbruch der Forschung. Leider ist das aber nicht so. Den meisten Ärzten fehlt schlicht die Zeit, sich am Ende eines langen Tages in der Klinik oder der eigenen Praxis noch hinzusetzen und sich durch Berge neuer Veröffentlichungen und Forschungsergebnisse durchzuwühlen. Auch bei den großen Konferenzen ihres Bereiches sind sie nicht immer anwesend. Und wenn sie doch mal teilnehmen, verfolgen viele von ihnen kaum einmal die Sitzungen, in denen die neuesten noch unveröffentlichten klinischen Daten ausgetauscht und diskutiert werden. Stattdessen verbringen manche Ärzte ihre Zeit bei den Veranstaltungen der Pharma-Firmen, die dort ihre neuesten Produkte vorstellen, die sie verständlicherweise rasch auf den Markt bringen wollen. Das ist auch nur menschlich – schließlich haben die Firmen jahrelang geforscht und darauf hingearbeitet, dass diese praktizierenden Ärzte ihre Produkte jetzt auch einsetzen und den Firmen damit endlich die Chance geben, mal etwas damit zu verdienen. Manche Ärzte haben noch nicht unbedingt den Zugang zu medizinischen Fachzeitschriften oder können sich die teuren Abonnements gar nicht leisten. Je nach Land, kann es sogar vorkommen, dass sie ihren Beruf nur innerhalb bestimmter Beschränkungen ausüben dürfen. So dürfen etwa in Kroatien nur drei Eizellen eines IVF-Zyklus befruchtet werden, ganz egal wie viele Eizellen tatsächlich entnommen werden konnten. Zwar kann der Rest der Eizellen eingefroren werden, aber man weiß ja, dass dieses Verfahren erst seit jüngster Zeit angewendet wird und entsprechend unausgereift ist.

 

Ob IVF, ICSI oder doch natürlich: Schmerz und Stille zuerst

Unerfüllter Kinderwunsch, Unfruchtbarket, Depression

Unerfüllter Kinderwunsch kann zur Depression führen. Foto mit freundlicher Genehmigung von stuart miles bei FreeDigitalPhotos.net

Wer jahrelang versucht hat schwanger zu werden, weiß, dass dieser lange Weg von dem tiefen Gefühl begleitet wird, irgendetwas daran ist total falsch: Kinder haben wollen und sie nicht bekommen können. Dein ganzes bisheriges Leben lang war es für dich nur eine Frage des richtigen Partners zur rechten Zeit, und dann entscheidest du, dass es jetzt soweit ist. Die Realität sieht anders aus: jedes sechste Paar wird das nicht so erleben. Stattdessen erleben sie eine ganz andere Wirklichkeit, und die ist so anders, dass sie einem das Gefühl geben kann, das Universum hätte was gegen dich… Unfruchtbarkeit – das ist eine Geschichte des Klarkommens mit Enttäuschungen und Erfolglosigkeit. Vor allem für solche Menschen, die davor nur Erfolg kannten.

Am Anfang ist es nur ein Wunsch, der Wunsch ein Kind zu bekommen. Und dann wird aus dem Wunsch irgendwann eine Obsession. Du träumst von diesem kleinen Gesicht, das deine Augen hat und die Lippen deines Partners. Du willst es fühlen, umarmen und ganz fest halten. Mit der Karriere soll es natürlich weitergehen, und dennoch sucht man insgeheim nach einem Grund, endlich eine Pause einlegen zu können. Eine Kinderpause.

In diesem Zustand können selbst alltägliche Situationen große Schmerzen verursachen. Was ist das Schlimmste? Wenn die Periode doch wieder einsetzt, nur mit ein paar Tagen Verspätung? Sich für die Schwangerschaften der Freundinnen zu freuen? Zum Baby-Shower zu gehen und pflichtbewusst das Neugeborene zu bewundern? Sich selbst tagelang Hormone zu spritzen, um nach der Eizellentnahme festzustellen, dass der Partner kein einziges gutes Spermium im Ejakulat hat, oder deine Eizellen zu schlechte Qualität hatten, um den Versuch fortzusetzen? Oder wieder zur Arbeit zu gehen, nachdem der x-te IVF-Versuch nicht geklappt hat? Und dann schließlich das Nachdenken über eine Adoption oder sogar der Abschied vom tiefen Wunsch nach eigenem Nachwuchs?

Es gibt im Grunde nur zwei Arten damit umzugehen: Erstens Geduld haben und warten und weiter probieren, bis es eben mal klappt. Wenn du noch jung bist und Zeit hast, dich auf diesen Prozess einzulassen, dann ist das in Ordnung. Wenn nicht, dann solltest du zweitens lieber so viel wie möglich über das Problem der Unfruchtbarkeit lernen und was man dagegen tun kann. Nur so kannst du mit deinem Arzt wirklich zusammenarbeiten.

Und man sollte diesen Weg wirklich nicht alleine gehen. Natürlich ist dafür zuallererst einmal der Partner da. Die gemeinsame Erfahrung einer unfruchtbaren Partnerschaft kann diese auch vertiefen und stärken. Und dennoch hört man immer wieder, dass sich die Frauen mit dieser schweren Last völlig alleingelassen fühlen. Dabei gehen heute mehr als 40 Prozent der Fruchtbarkeitsprobleme auf das Konto der Männer! Also – redet miteinander! Auch sehr wichtig, such dir die Hilfe anderer Frauen, die das gleiche durchmachen. Rede mit ihnen, sei es im persönlichen Kontakt oder übers Internet. Es hilft wirklich.