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Die kleine Lena (Name geändert) aus unserer Kita hat zwei Mamas.

Mein Vierjähriger sagt das mit eine Selbstverständlichkeit, die mich sehr beeindruckt. Ich finde es persönlich auch ganz toll, dass Lena zwei Mamas hat, aber diese Unbeschwertheit in der Stimme fehlt mir.

Beide Mamas von Lena sehen genauso aus wie alle andere Mütter in Kreuzberg, die man morgens auf ihren Fahrrädern auf dem Weg zur Kita trifft: fürsorglich, fokussiert, freundlich. Berufstätig. Manchmal müde. Welche Eltern von zwei kleinen Kindern sehen nicht permanent müde aus?

An einem verregneten Tag haben mein Mann und ich uns spontan zum Mittagessen getroffen.

Dass wir auf das Thema Kinder kamen, ist kein Wunder, aber an dem Tag sagte ich, dass bei gleichgeschlechtlichen Paaren meiner Meinung nach die Frauen Kinder bekommen sollen, aber Männer eher nicht.

Hatte meine Überzeugung mit Lena und ihren beiden Mamas zu tun?

Oder hatte es damit zu tun, dass ich zufällig an diesem Vormittag bei einem Treffen an einem schicken Ort war, wo sich viele Schwule zum Frühstück treffen? Ich sah zu, wie junge Männer langsam in das Cafe kamen, top-gestylt und eng aneinander angekuschelt. Ausnahmslos alle Paare, die ich an dem Vormittag sah, standen in krassem Gegensatz zu meiner Müdigkeit, zu meinen Tagen, die früh beginnen, nachdem ich in der Nacht oft viele Male von Kindern geweckt werde.

War es die Eifersucht auf das entspannte Leben dieser jungen Männer, das mich wütend gemacht hat?
Auf jeden Fall habe ich es gesagt und mindestens für ein paar Stunden daran auch fest geglaubt: lesbische Paare sollten sich um die Kinder kümmern dürfen, Schwule aber nicht.

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Mein Mann war wie immer ganz anderer Meinung.

Was ist mit unserem amerikanischen Freund Thomas? (nennen wir ihn mal so), konterte er. Sind Thomas und sein Lebensgefährte nicht glücklich, seitdem sie ein Baby adoptiert haben? Geht es der Kleinen nicht prima mit ihren zwei Papas? Ja, sagte ich, aber beide sind schon nach wenigen Monaten zurück zur Arbeit gegangen und haben sich Dienstleistungen von Frauen gekauft, die Tag und Nacht das Kind betreuen. Also bleibt die harte Arbeit wieder einmal bei den Frauen hängen. Außerdem, egal wie gut die Papas sind, stillen können sie nie. Und empfiehlt nicht mittlerweile sogar die Weltgesundheitsorganisation, Kinder mindestens ein halbes Jahr lang ausschließlich mit Muttermilch zu ernähren?

Das Gespräch war nicht mehr zu retten, ein heftiger Wortschwall prasselte auf mich nieder.
Wie könne ich so etwas sagen! Ich sei ja so radikal! So viele Generationen seien ohne Muttermilch groß geworden! Warum sollten die Frauen zum Kinder erziehen kompetenter sein? Eine typische Balkan-Haltung (wenn mein Mann sich sehr ärgert, kommt meine Herkunft ins Spiel).

Also was tun zwei ehemalige wissenschaftliche Mitarbeiter (“gescheiterte Postdocs” nennen wir uns manchmal), wenn sie sich streiten?

Genau, Studiendaten holen, am besten viele davon. Es ist oft schwierig, Studien zu finden, die sowohl ein Soziologe als auch eine Biologin schätzen, aber dieses Mal gab es etwas wirklich Lesenswertes.
Eine detaillierte Studie war von Dr.Marina Rupp vom Bundesministerium für Justiz durchgeführt worden, um die Situation von Kindern in Regenbogenfamilien zu untersuchen. Regenbogenfamilien sind ja Familien, in der Kinder bei zwei gleichgeschlechtlichen Partnern leben, sprich zwei Mamas oder zwei Papas haben.

Was ihre Studie ganz toll macht: bisherige Untersuchungen arbeiteten mit kleinen, nicht repräsentativen Stichproben. Diese Studie aber hat 625 Elternpaaren mit insgesamt 693 Kindern, ungefähr ebenso viele Jungen wie Mädchen, befragt: es gab sowohl telefonische als auch persönlichen Befragungen und beide Elternteile und Kinder wurden einbezogen.

Schon auf der ersten Seite habe ich mich gewundert: in ganz Deutschland gibt es etwa 5.000 gleichgeschlechtlichen Paare, die mit etwa 6.600 dazugehörenden Kindern leben. Ich dachte, die Zahl sei viel größer!? Ich habe mich aber getäuscht: gleichgeschlechtliche Paare leben in der Tat seltener mit Kindern zusammen als in anderen Beziehungsformen. Bei den Ehepaaren wachsen bei jedem zweiten minderjährige Kinder auf, bei unverheirateten Heterosexuellen ist das bei jedem dritten Paar der Fall, und bei den gleichgeschlechtlichen Paaren leben bei jedem dreizehnten Paar Kinder im Haushalt.

Also es ist natürlich klar, dass bei gleichgeschlechtlichen Paaren die Kinder nicht einfach so kommen. Wenn Kinder vorhanden sind, sind es wahrscheinlich absolute Wunschkinder, die nach einem großen und oft lange bestehendem Kinderwunsch ihrer Eltern zur Welt kommen.

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Regenbogenfamilien sind meist klein; bei zwei Drittel der Befragten war nur ein Kind vorhanden. Der Wunsch nach einem zweitem Kind war bei nur etwas mehr als einem Drittel der Paare vorhanden. Dabei entscheiden sich die Frauen oft für eine Insemination und legen meistens viel Wert darauf, dass das Kind Kontakt zum biologischen Vater aufnehmen kann. Die Adoption oder Pflege eines fremdes Kindes wurden von Frauenpaaren kaum in Betracht gezogen. Frauen haben halt das Privileg, Kinder gebären zu können, und darauf scheinen sie in Regenbogenfamilien nicht verzichten zu wollen.

Regenbogenfamilien sind oft durch ein hohes Bildungsniveau gekennzeichnet. 45% der Eltern besitzen sogar einen Hochschulabschluss, die Kinder kommen häufiger aufs Gymnasium. Nahezu 30% der Regenbogenfamilien lebt in Großstädten. Die Partner in gleichgeschlechtlichen Familien sind zu einem großen Teil erwerbstätig, sogar deutlich häufiger als Mütter in heterosexuellen Ehen.

Die materielle Lage und auch die Wohnverhältnisse der Regenbogenfamilien sind also ausgezeichnet.

Herkunft der Kinder und Kinderwunsch in den Regenbogenfamilien

Auch hier warteten Überraschungen auf mich. Ich war davon überzeugt, es würden schon viele adoptierte Kinder bei Schwulen leben (und vielleicht galt ihnen mein Mitleid, als ich sie in meiner Fantasie bei ihren faulen egoistischen Papas gesehen habe).

Die Realität in Deutschland ist aber so, dass 44% der in Regenbogenfamilien lebenden Kindern in einer früheren heterosexuellen Beziehung geboren wurden (viele der Partner waren davor sogar verheiratet). Knapp 50% der Kinder wurden in einer aktuellen gleichgeschlechtlichen Beziehung geboren. Der Rest verteilt sich auf die Adoption von fremden Kindern und auf Pflegekinder (1,9% und 6%).

Also sieht es zur zeit noch so aus, dass die ganz große Mehrheit der Kinder in den Regenbogenfamilien, 636 von 693, leibliche Kinder sind.

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Insgesamt 39% aller Kinder wurden durch Insemination erzeugt. Laut der Studie haben fast 90% der Paare die Insemination in Deutschland durchgeführt. Wenn man weiß, dass viele Kinderwunschpraxen ihre Behandlungen nur heterosexuellen Paaren anbieten, kommt man leicht auf die Idee, dass viele der Frauen die Insemination selbst zu Hause durchgeführt haben müssen. Was ja nicht schwierig ist (in diesem Post erkläre ich, warum Insemination es kaum verdient, als Kinderwunschbehandlung bezeichnet zu werden). Es ist aber trotzdem schade, weil ein paar vernünftige Voruntersuchungen auf diese Weise entfallen. Hier hoffe ich sehr, dass es bald zu Veränderungen kommen wird. In der Tat gibt es schon in allen Großstädten zahlreiche Kinderwunschpraxen, die auch lesbische Paare behandeln.

Der Trend geht dabei klar in Richtung offene Insemination: in etwas mehr als der Hälfte der Inseminationsfälle in Regenbogenfamilien ist der Samenspender bekannt, in etwa einem Drittel der Fälle sogar in die Geburtsurkunde eingetragen.

Wie wachsen die Kinder in Regenbogenfamilien auf?

Kinder, die in Regenbogenfamilien aufwachsen, nehmen zwei Mamas oder zwei Papas zunächst als selbstverständlich hin. Irgendwann wird ihnen klar, dass ihre Familienform „anders“ ist. Oft werden sie von ihrer Umgebung diskriminiert: 16% der Kinder erlebten aufgrund ihrer Familiensituation mehrfach Beschimpfungen und Hänseleien. Immerhin gut 63% der Befragten haben gar keine Diskriminierungserfahrungen gemacht und (was mich ganz besonders beeindruckt hat), Regenbogenfamilien scheinen überdurchschnittlich effiziente Waffen im Umgang mit solchen Risiken zu entwickeln, da sie in der Regel starke und gute Eltern-Kind-Beziehungen schaffen, die zur Bewältigung der Diskrimierung beitragen.

Was viele Kinder aus den Regenbogenfamilien eher belastete (was eigentlich ganz logisch ist, bei mir aber zu einem kleinen Aha-Erlebnis führte), war das Ereignis der Trennung der Eltern, und nicht so sehr das Coming-out der Mutter oder des Vaters. Zwei Drittel der Kinder waren durch die Trennung der Eltern belastet, 28% davon sogar sehr stark. Dabei meine ich, das intensive Gefühle wie Trauer, Wut, Hilflosigkeit und Enttäuschung nach der Trennung der Eltern aufkamen.

Den Kindern scheint wichtig zu sein, dass ihr Elternhaus stabil bleibt. Die Form der Beziehung ihrer Eltern scheint keine große Rolle zu spielen.

Je mehr Veränderungen, desto verhaltensauffälliger waren die Kinder. Es ist also kein Wunder, dass die Inseminationskinder, die in eine gleichgeschlechtliche Beziehung hineingeboren wurden, nach allen Kriterein als “unauffällig” eingeschätzt wurden und Pflegekinder auf der anderen Seite des Spektrums oft Verhaltensauffälligkeiten entwickelten.

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Noch einen kleinen Unterschied zwischen den Kindern von Homo- und Hetero-Paaren haben die Forscher gefunden. Kinder aus Regenbogenfamilien scheinen selbstbewusster zu sein.
Also, gebildeter – ja.
Sichtbarer in der Umgebung – ja.
Aber selbstbewusster?
Vielleicht habe ich als Naturwissenschaftlerin andere Vorstellungen vom Selbstbewusstsein und dessen Wichtigkeit, vielleicht bin ich mit den Methoden in diesem Teil der Studie nicht einverstanden.

Es mag in der Tat sein, dass Kinder aus Regenbogenfamilien im Alltag ein wenig anders auftreten. Für mich kann das damit zusammenhängen, dass in gleichgeschlechtlichen Beziehungen Hausarbeit und Erwerbstätigkeit gleichmäßiger verteilt werden.

In der Tat werden bestimmte Aufgaben in den Regenbogenfamilien eher an Haushaltshilfen delegiert (zumindest hier gehe ich noch mit). Die übriggebliebene Arbeiten werden dann oft gemeinsam erledigt. Oder abwechselnd, je nach persönlichen Vorlieben und verfügbarer Zeit. So viel Gleichberechtigung im Alltag muss meiner Meinung nach das Selbstbewusstsein (und die Selbstständigkeit!) des Kindes stärken und eine gleichmäßige Aufgabenteilung würde ich mir für alle Familien auf der Welt wünschen.

 

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