zwillinge künstliche befruchtung

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Ich finde sie nur noch öde – Frauenzeitschriften mit ihren Artikeln über Prominente in ihren 40ern oder noch älter, die Babies bekommen und dann noch fröhlich plaudern, wie einfach alles ging und wie sie vom späten Glück völlig überrascht wurden.

Keine Rede davon, warum sie davor jahrelang kinderlos waren, von Eizellspenden und anderen teuren Technologien. Andere sollen daran glauben, sie hätten einfach tollen spontanen Sex mit deneigenen Ehemännern gehabt und – ups! – ungeplant entstünden dabei die Babies, verdächtig oft waren es Zwillinge.

Übrigens, Zwillinge gibt es heutzutage dank Kinderwunschbehandlungen viel mehr als früher. In Fachkreisen spricht man von einer Epidemie der Mehrlingsgeburten. In Deutschland brachte 2006 eine von 64 Schwangeren Zwillinge zur Welt und inzwischen ist schätzungsweise schon jede 50. Geburt eine Mehrlingsgeburt. In anderen europäischen Ländern ist es ähnlich: in Spanien z.B. stieg die Zahl der Zwillingsgeburten von 10,9 pro 1000 Geburten im Jahr 2000 auf 16,2 pro 1000 Geburten im Jahr 2009 an.

kinderwunsch frau über 35

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Besonders in der Altersgruppe der Erstgebärendenüber40 kann man einen sprunghaften Anstieg beobachten. Heutzutage hat jedes vierte Kind eine Mutter über 35.

Frauen- und Kinderwunschärzte lieben diese Frauen. Neuerdings bin ich bei der Recherche für einen anderen Artikel auf die Aussage eines Frauenarztes bei FocusOnline gestoßen, der meinte, Frauen über 35, die schwanger werden möchten, seien seine liebsten Patientinnen. Sie stellen sich bewusst auf die Schwangerschaft ein, verzichten auf Nikotin und Alkohol und ernähren sich gesund.

Ja – so kann man es auch formulieren.

Fair wäre aber auch zu ergänzen, dass diese Gruppe schlicht keine Zeit mehr zu verschwenden und nicht einen einzigen Eisprung zu verschenken hat (haben Sie gewusst, dass in Vorbereitung auf jeden Eisprung eigentlich Tausende von Eizellen zu Grunde gehen – das ist viel, wenn man bedenkt, die Frau kommt mit etwa 300,000-400,000 Eizellen insgesamt auf die Welt). Außerdem sind die meisten Frauen über 35 beruflich fest etabliert und fragen oft nicht, was die teuren Technologien kosten, falls sich herausstellt, dass die Eizellen bei ihnen oder Spermien bei ihren Partnern eine kleine Nachhilfe brauchen.

 

Coenzym Q10 kann die Qualität der Eizellen verbessern (in Form von bioverfügbaren Ubiquinol oder einfachere Variante mit Zink)

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Aber was passiert bei den Kinderwunschbehandlungen genau? Wie vergleichbar sind sie zueinander? Haben Sie auch gemerkt, wie oft alle Methoden, die die Reproduktionsmedizin anbietet, in einen Topf geworfen werden? Eizellenspende und Leihmutterschaft? IUI und ICSI? Ich würde gern behaupten, dass sei wie Äpfel und Birnen zusammenwerfen, aber das ist beides Obst. Dagegen gehen manche Kinderwunschbehandlungen viel weiter auseinander.

Dies passiert im Laufe der Kinderwunschbehandlung und so stehen die Methoden im Vergleich zu dem üblichen Geschlechtsverkehr:

1) Insemination (IUI). Die versteht doch jeder, oder? Insemination haben früher die meisten Menschen vor allem aus der Welt der Tiere (Pferde, Rinder, Ziegen und sogar Bienen) gekannt. Es gibt immer noch Menschen, die es aus irgendeinem Grund als beleidigend empfinden, mit Tieren auf eine Ebene gestelltzu werden. Ich finde genau das gut bei den Technologien der Reproduktionsmedizin, dass sieuns bei manchen Fragen hart aber bestimmt auf den Boden der Tatsachen holt.

Der Vorgang der Insemination ist so einfach, dass sie es kaum verdient, als eine ärztliche Behandlung verstanden zu werden. Insemination kann in der Frauenartztpraxis durchgeführt werden (und bei Ihnen zuhause auch). Bei der Insemination geht es vor allem darum, dass der Weg, den die Samenzellen bis zum Ei zurücklegen müssen, verkürzt wird. Nachdem der Mann sein Ejakulat abgibt, wird es aufbereitet, so dass nur die vitalsten und beweglichsten Spermien  bleiben. Sie werden dann durch einen Katheter genau da oder noch ein Stück tiefer platziert, wo ein Orgasmus sie auch hingebracht hätte.

Also, bei der Insemination wird den Spermien zwar  geholfen, aber sie haben immer noch eine ganze Strecke zu schwimmen und sich durchzukämpfen, bevor sie die Eizelle erreichen. Wenn es soweit ist, wird die Eizelle selbst entscheiden, welcher der Kandidaten reingelassen wird. Aus diesem Grund ist die Insemination dem “normalen” Sex ganz ähnlich (und die Chancen, dass eine Frau mittels Insemination schwanger wird, sind logischerweise ähnlich zu den spontanen Befruchtungsraten der Frauen in ihrem Alter).

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2) IVF. Die nächste Stufe auf der Treppe der Kinderwunschbehandlungen heißt In-Vitro-Fertilisation. Hier landen Frauen über 35 ziemlich schnell, typischerweise schon nachdem wenige, hintereinander folgende Inseminationsversuche nicht geklappt haben.

Was ganz gut ist, weil diese Altersgruppe nicht viel Zeit zu verschenken hat – es gibt nämlich keine Garantie, dass schon die erste IVF erfolgreich sein wird. Die Statistik ist da ganz hart und sagt: Innerhalb von 5-6 IVF-Zyklen werden über 80% der Paare zu ihrem Wunschkind kommen.

Also anstatt die Erwartungen zu hoch zu stecken, ist es besser sich auf eine lange Durststrecke vorzubereiten (aber hoffentlich werden Sie es, wie die meisten Leserinnen meines Blogs, schaffen, auf natürliche Weise schwanger zu werden und diese Technologien nie zu brauchen).

Im Unterschied zur Insemination, hat sich die IVF vom „natürlichen“ Sex ziemlich weit entfernt. Um die Eizellen zu gewinnen, kommen die Frauen in die Vollnarkose, weil die Ärzte ganz schön tief in den Körper eindringen müssen.

Der Rest geschieht im Labor, in der Petrischale werden sich Eizellen und Spermien treffen. Aber bedeutet das automatisch, dass IVF als eine Prozedur zu verstehen ist, die mit der natürlichen Vorgang der Befruchtung nichts mehr zu tun hat?

Als Zellbiologin, die unzählige Millionen von Zellen in Petrischalen verwaltet hat, meine Meinung dazu ist: Ja und Nein.

Einerseits werden bei der IVF die Eizellen der Frau und die Spermien von ihrem Partner in eine künstliche Umgebung abgegeben und anstatt im Körper treffen sie sich in einer Flüssigkeit in einem Plastikgefäß. Aber, auf molekularbiologischer Ebene betrachtet, es bleiben noch Möglichkeiten für ein erfolgreiches Date offen, mit allem, was dazu gehört: zahlreiche Spermien, die ihren Weg zur Eizelle finden und der eine Gewinner, für den die Eizelle selbst sich entscheidet!

Wie entscheidet aber die Eizelle, welche der Tausenden von Spermien die passendste Genkombination anbietet, die zum fittesten, gesündesten Baby führt?  Mechanismen, die dabei im Spiel sind, sind noch nicht ausreichend bekannt. Oft wird vermutet, dass bestimmte Proteine an der Oberfläche beider Zellen hier die entscheidende Rolle spielen und das die Eizelle anhand ihrer Kombination “merkt“, ob dabei ein möglichst überlebensfähiges Embryo entstehen würde.

Also bei der IVF laufen viele Dinge noch so, wie sie in der Gebärmutter gelaufen wären. Viele Spermien bedecken die Eizelle – sie mag nach der Entnahme unter Vollnarkose noch etwas verwirrt sein, aber eine verwirrte Königin ist immer noch eine Königin und darf sichselbst aussuchen, mit welchem der Spermien sie ein neues Leben bildet.

ICSI. Von allen Methoden, die Kinderwunschpraxen anbieten, hat diese sich noch ein Stück weiter vom üblichen Geschlechtsverkehr entfernt. Gleichzeitig ist ICSI am stärksten mit Langzeit-Risiken für die Gesundheit der Kinder, die auf diese Weise entstehen, verbunden.

Aber möchte ich damit sagen, ICSI wäre nicht eine wunderbare Möglichkeit, ein Geschenk des Himmels für Frauen, ihren Kinderwunsch trotz Unfruchtbarkeit zu verwirklichen?

Ganz sicher nicht.

Die Sache ist nur, dass wir noch nicht viel darüber wissen, was bei ICSI alles in einer Eizelle zerstört wird, oder welche Konsequenzen das für die zukünftige Gesundheit des Kindes haben könnte.

Was rein technisch in der Petrischale stattfindet, ist, dass ein Embryologe aus dem Ejakulat zuerst einige gute und fitte Spermien aussucht. Dann entscheidet er sich für eines der Spermien und das wird in die Eizelle hineingespritzt. Dabei gelten meine persönlichen Bedenken eben diesem Teil – die Injektion des Spermiums in die Eizelle ist wirklich nichts Zartes. Auf zellbiologischer Ebene betrachtet,  ist es so,  als würden Sie einen Brief im Haus zustellen, indem Sie ihn auf einem Felsenbroken befestigen und dann mit aller Kraft ins Haus werfen, am besten durch die größte Glasscheibe.

Sie können sich vorstellen, wie viel feine Architektur dabei kaputt geht. Macht es der Eizelle wirklich nichts aus? Kann sie wirklich ganz normal mit Befruchtung und Zellteilung weiter machen? Völlig unbeeindruckt von den Bedingungen, unter denen die Konzeption stattfand, einem neuen Leben seinen Start geben? Das wissen wir einfacht noch nicht.

Schauen sie sich dieses kurze Video an, Sie müssen nicht viel von Molekularbiologie verstehen, um zu begreifen, dass bei diesem Vorgang gewisse Strukturen in der Eizelle zerstört werden.

Selbst von einem erfahrenen Embryologen und mit bester Technik gemacht, werden die Teile der Eizelle verletzt oder durchmischt. Es wäre zu banal zu sagen, bei diesem Eingriff würde viel Gewalt ausgeübt und diessei für die Eizelle tief und durchgreifend wie eine Transplantoperation. Aber als Zellbiologin werde ich jetzt mal behaupten, dass die Zerstörungen der feinen inneren Architektur (Zytoplasma nennt sich so etwas) sicherlich das Potential haben, weitreichende Konsequenzen für die zukünftige Gesundheit des Kindes zu haben, da jede Zelle des zukünftigen Kindes aus dieser Eizelle stammen wird.

Es gibt gute Grunde, warum ICSI gemacht wird: nicht viele Eizellen bei der Frau und unbewegliche Spermien bei dem Mann  gehören zu den Klassikern. Aber manchmal wird ICSI eingesetzt, um noch eine Waffe in dem Kampf gegen unerfüllten Kinderwunsch draufzusetzen, um nochmal auf Nummer sicher zu gehen, bessere Befruchtungsraten zu erzielen und Abläufe in der Behandlung zu optimieren (ICSI ist logischerweise teurer als IVF).

Es ist natürlich leicht, zu sagen, die Ärzte sollten diese Waffe bewusst entschärfen und den Eizellen nur in den extremen Fällen die Möglichkeit entziehen, selbst das Spemium, mit dem sie befruchtet werden, auszusuchen, und die Intaktheit der Zelle nicht durch ICSI zu verletzen. Aber warum sollte die Reproduktionsmedizin auf die einzige Methode verzichten, die auf direktestem Weg zu einem Embryo führt? Es sind doch die Frauen selbst, die immer die effizientesten Methoden verlangen, irgendwann nur noch möglichst schnell schwanger werden wollen. Wen interessieren da noch neue Studiendaten?

Mittlerweile wurden auf der ganzen Welt über 5 Millionen Kinder mit Hilfe von künstlicher Befruchtung geboren. Die ältesten werden bald 30 und mit der zunehmenden Zahl an Kindern,  denen man genaue Fragen stellen und deren Daten man auswerten kann, wird klar: die Umstände, unter denen eine Befruchtung stattfindet, sind nicht ganz egal.

Also, Laborbabys (synthetische Babies! Kinder aus dem Reagenzglas! ein Monsterbegriff nach dem anderen!) sind aus dieser Welt nicht mehr wegzudenken. Und ich finde, sie verdienen einen besseren Namen. Vor allem, weil sie absolute Wunshkinder sind und deshalb mehr geliebt werden als natürlich gezeugte Kinder. Und was kann mehr als ein Wunschkind eine Familie stärken?

Am schönsten hat Madonna es formuliert: “Alle Babys haben eine Seele, wie auch immer sie auf die Welt und zu ihren Familien kommen. Und eine Seele hat nichts Synthetisches”.

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Ich grüße Sie herzlich,

Darja