vitamine zum schwanger werden

Helfen Sie Ihrem Baby und sich selbst in dem Sie die richtigen Vitamine nehmen (Foto mit freundlicher Genehmigung von imagerymajestic bei FreeDigitalPhotos.net)

Mit welchen Vitaminen werden Sie schneller schwanger?

Nachdem ich mich jahrelang mit vielen Themen rund um Hormone, Vitamine und Kinderwunsch auseinandergesetzt habe und sogar ein Buch über die neuesten Forschungen aus dem Gebiet der Verbesserung der Eizellenqualität geschrieben habe, würde man denken, ich könnte sicherlich ein paar Vitaminpräparate empfehlen, oder?

Also welche Vitamine soll eine junge Frau, die versucht schwanger zu werden, nehmen? Und welche sind besonders wichtig für Frauen über 35?

Ich werde es versuchen, aber ich sage Ihnen gleich, auf dem deutschen Markt sehe ich zurzeit kein Kombi-Präparat, das mich wirklich überzeugt und das ich vor allen anderen unbedingt bevorzugen würde.

Warum ist das so?

Schon beim Lesen des Beipackzettels fühle mich oft irritiert, wenn da steht „…ab Kinderwunsch, durch die Schwangerschaft, bis zum Ende der Stillzeit“.  Ach so.

Ich kann mir keine drei Phasen im Leben einer Frau vorstellen, die verschiedener voneinander wären. Aber alle drei sollen ja von ein und dem gleichen Vitaminpräparat bedient werden? Und dann wundert man sich, dass die allermeisten Menschen eher skeptisch gegenüber dem Nutzen von Vitaminen stehen und das alle paar Monate Angst-stiftende, oberflächliche Artikel, die sich gegen alle Vitamine äußern, in Magazinen wie FOCUS erscheinen?

Und dann, diese überall zu lesende Fehlinterpretation, schwangere Frauen brauchen EXTRAS von irgendwelchen Vitaminen, EXTRAS von Folsäure in der Schwangerschaft. Wirklich?

Wären unsere Ururgroßmütter in der menschlichen Evolutionszeit auf irgendwelche EXTRAS während ihrer Schwangerschaften vorprogrammiert gewesen, wäre dies schlicht und einfach zu gefährlich geworden und die Menschheit wäre längst ausgestorben.

schwanger werden über 35

Was haben unsere Ahnen anders gemacht? (Foto mit freundlicher Genehmigung von Africa bei Freeedigitalphotos.net)

Die unbequeme Wahrheit ist: die allermeisten Frauen haben im Vergleich zu unseren Vorfahren eine langjährige Unterversorgung mit Folsäure. Da während der Schwangerschaft ein Körper gleich zwei Menschen versorgen muss, wird dieser Mangel plötzlich deutlich sichtbar. In der Tat aber war er schon vorher da. Wenn Folsäure in der Schwangerschaft nicht rechtzeitig (schon in den ersten Wochen) äußerlich zugeführt wird,  kann es sogar zu Missbildungen kommen.

Zahlreiche Studien belegen, dass diverse Naturvölker mehr B-Vitamine (damit auch Folsäure) und Eisen im Blut haben als wir moderne Menschen. Beide, Folsäure und Eisen, sind reichlich im frischen Fleisch (wann haben Sie zuletzt Organe gegessen?) und wilden Pflanzen enthalten. Nun, unsere Gene sind in Sache Veränderung sehr langsam und haben quasi noch nicht mitbekommen, dass wir vor etwa 200 Jahren auf industrielle Nahrungsproduktion umgestiegen sind.

Aber zurück zum Thema pränatale Vitamine und Frauen über 35:

Fakt ist, wenn Sie für Ihr Baby etwas Gutes tun wollen, sollten Sie auf jeden Fall Vitamine nehmen. Und zwar über einen längeren Zeitraum – ich würde mindestens drei Monate vor den Versuchen, schwanger zu werden, anfangen. Achten Sie vor allem darauf, dass Ihr Vitaminpräparat mindestens 400 und besser noch 800µg Folsäure enthält (ein gutes, bekanntes Präparat finden Sie hier).

Sobald Sie das erste Trimester hinter sich haben, können Sie meiner Meinung nach, alle Präparate liegen lassen und stattdessen konsequent auf gesunde Vollkost-Bio-Ernährung, unterstützt durch einen aktiven, gesunden Lebensstil, umsteigen.

Um Ihre pränatale Vitamine individueller zu gestalten, können Sie folgende Fragen antworten: Sind Sie über 35? Verbringen Sie viel Zeit in geschlossenen Räumen? Treiben Sie regelmäßig Sport? Essen Sie Fastfood und Fertiggerichte? Wie oft essen Sie Fisch? Je nach Antwort, können Sie zu den “Basics” noch ein paar Extra Vitamine nehmen (wie Vitamin D, Omega-3 und CoQ10, am besten in Ubiquinol Q10 Form). Aber mit welchen Präparaten sollten Sie anfangen, wenn Sie schneller schwanger werden wollen?

1.Femibion. Meine Frauenärztin pflegte zu sagen, „es wäre der Mercedes unter den Vitaminpräparaten“. Mittlerweile höre ich, es gibt noch mehr Ärzte, die genau diese Metapher benutzen. Ich kann mich der allgemeinen Begeisterung nicht ganz anschließen – für mich ist Femibion weder Mercedes noch unser 15 Jahre alter Fiat Punto – eher irgendwo dazwischen. Dass Femibion gute Zutaten hat und gewisse Vorteile für diejenigen, die schwanger zu werden versuchen, bietet, stimmt. Es gibt mehrere Variationen von Femibion, die sich unterscheiden, je nachdem ob sie Fischöl enthalten (Femibion 1 und Femibion 2), auch die Menge und Form der Folsäure kann variieren. Am besten bleiben Sie bei diesem Präparat hier.

2. Orthomol Natal. Der Preis ist nicht gerade günstig, aber wer den Beipackzettel genauer liest, merkt schnell, dass Orthomol Natal einer anderen Liga von Vitaminpräparaten angehört. Alle wichtigsten Vitamine, Mikronährstoffe, Fettsäuren und sogar ein paar Probiotika sind drin enthalten. Hätte ich ein Zauberstäbchen, mit dem ich die Zutaten von Orthomol Natal weiter nachjustieren könnte, würde ich die Menge an Folsäure und Vitamin D etwas erhöhen und auch das Verhältnis von DHA und EPA leicht verändern (falls jemand von den Orthomol-Leuten das hier liest, hier ist die Studie zum warum und hier ist eine einfachere Version).

Ansonsten kann ich das Präparat nur loben, genauso wie Orthomol Immun und Orthomol fertil plus für Männer. Orthomol Immun eignet sich wunderbar, um das Immunsystem zu kräftigen (was Sie noch durch einen aktiven Lebensstil und vollwertige Ernährung unterstützen sollten, Vitamine allein reichen natürlich nicht aus).  Orthomol Fertil Plus hilft in der Tat sehr oft, über einen Zeitraum von mindestens drei Monaten die Spermienqualität zu verbessern. Und falls Sie dieses für Ihren Partner kaufen, seien Sie gleich auf viel Komik gefasst, wenn er das kleine Tütchen mit der Tagesportion öffnet und feststellt, dass sich darin sogar drei farbige, dicke Vitamintabletten befinden.

FOLIO forte. Folsäure pur. Sie wissen hoffentlich – Folsäure trägt dazu bei, dass sich das Nervensystem Ihres Babys richtig entwickelt. Dazu unterstützt die Folsäure Ihre Eizellen und Gebärmutterschleimhaut dabei, dass Sie überhaupt schwanger werden (besonders wichtig, wenn Sie über 35 sind). Also, wenn Sie sich von allen Vitaminen, die Sie nehmen sollten, nur eines merken können, dann ist es die Folsäure.

Das Gute an der Folsäure ist, die Präparate sind billig und es gibt wirklich keine Ausrede, sie nicht zu nehmen. Ich habe gute Erfahrungen schon mit ganz einfachen gemacht, wie Folio forte hier oder hier ohne Jod, falls Sie an Schilddrüsenunterfunktion leiden.

wie schwanger werden

Helfen Sie Ihrem Körper schwanger zu werden (Foto mit freundlicher Genehmigung von Ambro bei FreeDigitalPhotos.net)

Und noch etwas möchte ich loswerden:

Vor ein paar Wochen hat mich Folgendes richtig geärgert: eine Bekannte erzählte von Ihrer Hebamme, die behauptete, all das mit Vitaminen wäre eigentlich Quatsch, die Folsäure wäre gar nicht so wichtig, auf jeden Fall gebe es darüber keine STUDIEN (?!). Ergänzend dazu, die Hebamme kommt aus der Ecke, wo alle Pharmafirmen nur böse Monster sind und jede ärztliche Behandlung der Mutter oder des Kindes nur ein „Hauen mit der Chemiekeule“ darstellt. Also jemand, der die medizinische Fachliteratur nicht liest, aber leider eine feste Meinung dazu hat. Sehr gefährlich.

Wenn Aussagen über „Studien“ aus dem Mund der Menschen kommen, die im Gesundheitswesen arbeiten,  neigen die Leute logischerweise dazu, ihnen zu vertrauen. Deshalb liste ich hier einige der wichtigen STUDIEN aus der biomedizinischen Fachliteratur  die die Rolle von Folsäure eindeutig nachgewiesen haben. Das gleiche mache ich auf den Seiten, die sich mit Themen rund um Vitamin D, DHEA und CoQ10 in weiblicher Fruchtbarkeit befassen. Diese Literaturhinweise können Sie ruhig weitergeben an die Leute, die gern aus persönlichen Überzeugungen  und Vorlieben und nicht aus Tatsachen heraus argumentieren.

 

ALSO, ein paar Studien zur Folsäure:

 

  1. Candito M, Rivet R, Herbeth B, Boisson C, Rudigoz RC, Luton D, Journel H, Oury JF, Roux F, Saura R, Vernhet I, Gaucherand P, Muller F, Guidicelli B, Heckenroth H, Poulain P, Blayau M, Francannet C, Roszyk L, Brustié C, Staccini P, Gérard P, Fillion-Emery N, Guéant-Rodriguez RM, Van Obberghen E, Guéant JL. Nutritional and genetic determinants of vitamin B and homocysteine metabolisms in neural tube defects: a multicenter case-control study. Am J Med Genet A. 2008 May 1;146A(9):1128-33.
  2. Forster DA, Wills G, Denning A, Bolger M. The use of folic acid and other vitamins before and during pregnancy in a group of women in Melbourne, Australia. Midwifery. 2009 Apr;25(2):134-46.
  3. Hammiche F, Laven JS, van Mil N, de Cock M, de Vries JH, Lindemans J, Steegers EA, Steegers-Theunissen RP. Tailored preconceptional dietary and lifestyle counselling in a tertiary outpatient clinic in The Netherlands. Hum Reprod. 2011 Sep;26(9):2432-41.
  4. Monteagudo C, Mariscal-Arcas M, Palacin A, Lopez M, Lorenzo ML, Olea-Serrano F.Estimation of dietary folic acid intake in three generations of females in Southern Spain.Appetite. 2013 Aug;67:114-8.
  5. Steegers-Theunissen RP. Preconception folic acid treatment affects the microenvironment of the maturing oocyte in humans. Fertil Steril. 2008 Jun;89(6):1766-70.

 

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